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Bildung und Föderalismus. Oder: Bildung trotz Föderalismus

Es hat schon skurrile Züge, wenn der Vorsitzende der Konferenz der Regierungschefs der Länder, der Ministerpräsident des Freistaates Sachsen, Stanislaw Tillich, im Vorfeld des Dresdner Bildungsgipfels feststellt, dass „Bildung der Schlüssel für die Zukunft unseres Landes ist.“ Weiterhin sagt er: „Bildung muss deshalb auch in Zukunft oberste Priorität haben. Das ist unsere Botschaft.“
Nun da kann einem nur der alte Geheimrat aus Weimar und sein Faust einfallen: „Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind.“

An welches oder welche Wunder haben unsere Politiker eigentlich geglaubt, als sie sich in Dresden zum so genannten Bildungsgipfel trafen? Dass es eigentlich ganz nett sein würde, sich mal im Rahmen eines Kurzurlaubs zum gemeinsamen Frühstück zu treffen?
Man kann doch nicht im Ernst geglaubt haben, dass man auch nur ansatzweise etwas gemeinsam in Sachen Bildung auf die Beine würde stellen können. Vielleicht hätte man vorher Aristoteles lesen sollen: „Das Denken für sich allein bewegt nichts, sondern nur das auf einen Zweck gerichtete und praktische Denken.“
Und so geht es nach Dresden mit der „deutschen“ Bildungspolitik weiter wie wir es kennen:
Bei dem höchsten Gut, das wir in Deutschland haben, nämlich der Bildung, wurschteln 16 Bundesländer wie im tiefsten Mittelalter - jedes für sich - herum und fast alle Bildungspolitiker beklagen bei der Veröffentlichung der letzten PISA-Ergebnisse die nicht zufrieden stellen könnenden Leistungen der deutschen Schülerinnen und Schüler. Die einzigen Maßnahmen, die ihnen dann einfallen, sind von Populismus geprägt und haben die Wirkung eines Pflasters, das man auf eine eiternde Wunde klebt, und unter dem die Wunde immer weiter eitert, aber nicht heilt.
Es ist schon mehr als traurig, dass in einem der reichsten Länder der Erde Tausende von Schülern auf die Straße gehen müssen, um für bessere Bildung zu demonstrieren. Da stellt sich einem doch die Frage, ob unsere Schülerinnen und Schüler im Gegensatz zu unseren „Bildungs-„Politikern nicht das bessere Feeling für die dringend notwendigen und überfälligen Investitionen in Bildung haben. Kann es nicht vielleicht doch so sein, dass unsere Politiker zwar alle irgendwann einmal zur Schule gegangen sind, aber ansonsten wenig oder so gut wie gar keine Ahnung von der Materie „Schule“ haben?
Vielleicht darf ich mir so kurz vor Weihnachten wünschen, dass unsere Politiker den o. e. Aristoteles lesen, bevor sie ihre nächste Sonntags-Bildungs-Rede halten um dann wieder in die gut bekannte Reformstarre zu verfallen.

ASD, Januar 2009